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Zum Grünen Jäger

Die Gaststätte „Zum Grünen Jäger“ befand sich in der Kleinen Dorfstraße 4, früher Wasserleben Nr. 133a.

 

Über ihre Entstehung und die ersten Jahrzehnte ihrer Existenz ist wenig bekannt.

 

Irgendwann in den 1860er Jahren wird der Betrieb eröffnet worden sein und

  • 1864 taucht als erster Wirt Ernst Bruns auf. Ihm folgte ab

  • 1872 Friedrich Kuntze und ab

  • 1900 sein gleichnamiger Sohn. Dieser kann die Gaststätte nicht lange betrieben haben, denn schon vor

  • 1920 kaufte sie Willi Wessel von einem Gastwirt Ahrend.

  • 1951 übernahm seine Tochter Hildegard Wessel, allgemein Frl. Wessel genannt, das Geschäft.

  • 1983 erwarben Hartmut und Waltraut Zahn Haus und Wirtschaft.

  • 2015 schloss Waltraud Zahn dann den Betrieb endgültig.

Zum Grünen Jäger

Viele erinnern sich heute noch an die eigene Atmosphäre, die die Gaststätte auszeichnete, als Frl. Wessel sie führte.

 

Beim Öffnen der Eingangstür ertönte der Klang einer großen Glocke und kündigte den neuen Gast an. Wenn Frl. Wessel nicht sofort erschien, klopfte die alte Frau Wessel mit ihrem Stock so lange, bis sie kam.

 

Bekannt war der „Grüne Jäger“ für sein gut gezapftes Bier mit einer festen Schaumkrone. Emsig hatte Frl. Wessel vorher die Gläser auf Hochglanz poliert.

 

Waren es in den ersten Jahren neben den Stammgästen hauptsächlich Skatbrüder, die sich regelmäßig in der Gaststätte trafen, so kamen in den 1970er Jahren immer mehr Jugendliche dazu, die hier vor allem am Sonntagabend Unterhaltung suchten.

 

Und Frl. Wessel machte es den Jugendlichen leicht, sie mussten nicht viel verzehren und waren doch gerne gesehen.

 

Details

Das alte Radio, auf dem die Gäste ihre Musik selbst einstellen durften und der gläserne Stiefel, mit dem Runden ausgetragen wurden, förderten die Gemütlichkeit.

 

War man allerdings schon angetrunken, wenn man die Gaststube betrat, hatte man einen schweren Stand, denn so etwas konnte Frl. Wessel nicht leiden.

 

Auch lange Telefonate waren ihr ein Gräuel. Da es im Dorf zu DDR-Zeiten nur wenige Telefone gab, hatte sie gegen ein Gespräch von ihrem Apparat aus zwar nichts einzuwenden, aber kurzfassen musste man sich.

 

An ihrem angestammten Platz rechts neben der Theke harrte sie aus, bis der letzte Gast gegangen war. Dabei schien es oft, dass sie eingeschlafen war, aber das schien eben nur so, sie bekam trotzdem alles mit, was sich in ihrer Gaststube abspielte.

 

Geduldig wartete sie auf ihre treuen Stammgäste, wenn diese um 22:00 Uhr mit dem Schichtbus von Ilsenburg kamen und dann bei ihr noch einen Feierabendbier trinken wollten.

 

Nach ihrem Tod 1981 wurde das gesamte Gaststätteninventar entsorgt.

Was bleibt, sind also nur die Erinnerungen.

 

Eine Begebenheit, an die man sich immer wieder gerne erinnert, ist die Sache mit der Torte, die hier von einer Zeitzeugin berichtet wird:

 

Torte

Es war an einem Sonntagabend irgendwann in den 1970er Jahren, an dem sich wie gewöhnlich der eine oder andere Freundeskreis bei ihr zu einem Bier eingefunden hatte.

Alle saßen gemütlich beisammen, als zu später Stunde die Tür aufging und, zu unser aller Erstaunen, Hansi Schmidt mit einer Schokoladentorte die Gaststube betrat. Er kam an unseren Tisch und berichtete uns, dass an dem Tag in Winkelmanns Gaststätte eine Geflügelausstellung stattgefunden hatte und aus der Tombola noch diese besagte Torte übriggeblieben sei. Er wolle sie uns spendieren.


 

Wir waren darüber etwas erstaunt, so ohne weiteres eine Torte geschenkt zu bekommen und freuten uns natürlich über diese unverhoffte Leckerei. Bei Frl. Wessel wurde selbstverständlich der dazu gehörige Kaffee bestellt, die wie immer ihr bestes Geschirr eindeckte.

Als dann der Kaffee auf dem Tisch stand, wollten wir nun voller Vorfreude die Torte anschneiden. Das dafür passende große Messer hatten wir auch parat. Es wurde angesetzt, aber es war kein Durchkommen, bis wir feststellten: die Torte war aus Holz, mit einem Schokoüberzug versehen und toll garniert.

Unser Gelächter war riesengroß, dass wir darauf hereingefallen waren und nun wurde uns auch klar, warum sich Hansi Schmidt im Vorfeld das Lachen mühsam verkneifen musste. Ein schöner Streich – typisch Hansi Schmidt .

Solche und ähnliche Geschichten haben sich in vergangenen Zeiten in den Dorfgasthäusern öfter zugetragen und zeugen von der Toleranz und dem Humor der damaligen Gastwirte und deren Gäste“.

 

Nachdem 1983 Hartmut und Waltraut Zahn die Gaststätte übernommen hatten, änderten sie das Profil des Betriebes.

 

Zwar konnten sich hier die alten Stammgäste und die Skatfreunde weiterhin wohlfühlen, aber die neuen Wirtsleute legten nun besonderen Wert auf eine gute Küche.

Immer mehr Familienfeiern wie Geburtstage und Jugendweihen und Feiern im Kollegenkreis fanden in „Grünen Jäger“ statt.

 

Nach der Wende wurde es immer schwieriger, den Gaststättenbetrieb aufrechtzuerhalten, und so musste ihn Waltraut Zahn 2015 schließen.

Ausstellung

Edeltraud Spik 2018