Friedhofskirche St. Salvator

Die Gottesacker- oder, wie sie heute genannt wird, die Friedhofskirche ist die zweite Kirche in Wasserleben.

 

Innenraum

Die Sitze und Bänke in der Friedhofskirche St. Salvator sind noch schlichter gehalten, als die Bänke in der Dorfkirche. Langes Verweilen erfordert Geduld und Sitzfleisch.

 

St. Salvator, Sitze Empore
St. Salvator, Bankreihen Empore
St. Salvator, Bankreihen

 

Da in der ersten Zeit ihres Bestehens in der Friedhofskirche die gesamte Gemeinde Platz finden musste, saß man eng beieinander. Heute lässt sich das Gefühl der Enge noch bei Begräbnisfeiern erahnen, wenn Verwandte, Freunde und Bekannte aus Nah und Fern der oder dem Verstorbenen die letzte Ehre erweisen.

 

Im Innern der Kirche herrscht barocke Pracht.

 

St. Salvator, Innenraum gezeichnet von Wilhelm Heise

 

Wilhelm Heise hat den Innenraum seinerzeit in gedeckten Farben jedoch dataillgetreu gezeichnet1), was das untenstehende Foto beweist.

 

St. Salvator

 

Die Decke und die Emporen sind zwar in der Ausfertigung einfach aber farbenfroh und phantasiereich ausgemalt. 

St. Salvator, Deckenbemalung
St. Salvator, Empore

 

Dabei sollte nicht zuletzt hochwertiges Baumaterial wie Stuck und Marmor vorgetäuscht werden.

St. Salvator, Altar

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bemerkenswert ist die Gegenüberstellung von Friedhofskirche und Dorfkirche: in ersterer herrscht schwungvoller pompöser Frühbarock vor, 

St. Sylvestri, Altar

in letzterer ist die Formensprache zwar ähnlich aber einfacher und steht vielleicht schon unter dem Einfluss des Pietismus.

St. SAlvator, Taufengel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Taufengel der Friedhofskirche stürmt geradezu mit flatterndem Rock durch die Lüfte, 

St. Sylvestri, Taufengengel

während der Taufengel der Dorfkirche eher schwebt, der Faltenwurf seines Gewands bleibt ganz dezent. 

Eine Besonderheit stellen die Totenkronen dar. An den Wänden und Emporen auf Konsolen befestigt, erinnern sie an früh verstorbene Kinder oder Jugendliche.

Häufig stifteten Freundinnen und Freunde der oder des Verstorbenen diese kunstvoll ausgeführten Erinnerungsstücke. Sie wurden als Blumengebinde gestaltet und waren mit Schleifen, Perlen und Blattranken verziert. 

Auch Eigenhaar fand im Blumengebinde oder bei der Verzierung Verwendung.

St. Salvator, Totenkrone
St. Salvator, Totenkrone
St. SDalvator, Totenkronen
St. Salvator, Totenkrone
Totenkrone
Totenkrone

Die Hinterbliebenen bewahrten solche Totenkronen auch zu Hause auf (siehe oben Mitte und rechts). An diesen Exemplaren kann aus nächster Nähe die Ausgestaltung bewundert werden.

 

 

Eine weitere Besonderheit bildet der Taufstein hinter dem Altar. Da ihn Heise sorgfältig kopiert hat, ist die Inschrift gut lesbar2).

St. Salvator, Taufstein
St. Salvator, Taufstein Inschrift

Alter und Werdegang

St. Salvator, älteres Foro

Die Kirche wurde in Fachwerkbauweise errichtet.
 

Ein Foto, wohl aus den 1870er Jahren, zeigt sie noch weitgehend von Bäumen unverstellt. Es fällt hier das auf, was man nicht sieht, das Fachwerk!

 

Wurde es wegretuschiert, damit der Bau repräsentativer wirken sollte, oder waren die Außenwände geweißt?

Gegen einen früheren Anstrich spricht, dass sich heute am Fachwerk keine entsprechenden Spuren entdecken lassen.

St. Salvator, neueres Foto

 

 

 

 

 

Die Veränderungen auf dem Friedhof dokumentiert ein neueres Foto, etwa von der gleichen Stelle fotografiert, ist die Kirche jetzt kaum noch zu sehen.

St. Salvator

 

 

 

 

Aus einer anderen Richtung aufgenommen präsentiert sie sich aber in aller bescheidenen Pracht.

Lehrerwappen

 

 

 

 

Anstelle der einfachen Fenster sollen früher neben drei herrschaftlichen Wappen 48 Bauernwappen in die Fenster eingefügt gewesen sein. Vielleicht hatten sie Ähnlichkeit mit dem Siegel eines Lehrers aus Wasserleben, das sich in Kopie erhalten hat.

Die Entstehung der Friedhofskirche ist gut dokumentiert.

Zwar soll die Dorfkirche ab den 1590er Jahren der evangelischen Gemeinde als Pfarrkirche gedient haben3), doch gab es vor- und nachher wegen deren Nutzung immer wieder Streitigkeiten mit den Nonnen4).

Daher ergriff der Pastor Balthasar Voigt die Initiative und überzeugte seine Gemeinde, auf dem 1598 neu angelegten Friedhof eine eigene Kirche zu bauen.

So entstand zwischen 1599 und 1609 die Gottesackerkirche St. Maria Elisabeth, der erste Neubau einer evangelischen Kirche in der Grafschaft Wernigerode. Seit spätestens Mitte des 18. Jahrhunderts führt sie ihren heutigen Namen St. Salvator

 

Wer mehr erfahren möchte, der kann hier weiterlesen:

Faltblatt Gottesackerkirche

Gottesackerkirche St. Salvator

 

H.-G. Krasberg 2026


Literatur und Abbildungen

1) Heise, Wilhelm: Chronik des Dorfes Wasserleben, handschriftlich, unveröffentlicht, 4 Bde., Wasserleben, 1964, Bd. 1, S. 390

2) ebd., S. 401

3) v.Gynz-Rekowski, Georg: Nachrichten aus Wasserleben niedergelegt im Turmkopf der Dreifaltigkeits-

Kirche am 20. August 1716, maschinenschriftlich, unveröffentlicht, Wernigerode, 1977, S. 23

4) Heise, Wilhelm: Chronik des Dorfes Wasserleben, handschriftlich, unveröffentlicht, 4 Bde., Wasserleben, 1964, Bd. 2, S. 54 ff