Nach der Bodenreform

Arbeitsstelle

Durch die Bodenreform wurden 11.000 Betriebe entschädigungslos enteignet und mehr als 200.000 Hofstellen neu geschaffen. Die Sozialstruktur auf dem Lande, die gewachsenen Beziehungen in den Dörfern und die Machtverhältnisse wurden dadurch umfassend und dauerhaft verändert1).

 

Die Landtechnik auf den enteigneten Höfen verwalteten Ausleihstationen, erst privatgenossenschaftlich organisiert, später unter dem Dach der VdgB. Sie liehen sie ihrerseits an die Landwirtschaftsbetriebe aus. Dabei wurden Neubauern zwar bevorzugt, aber sie konnten die Technik, die für Großraumwirtschaft ausgelegt war, auf ihren kleinen Äckern häufig nur eingeschränkt nutzen.

 

Bereits vor der Staatsgründung unternahm die SED den nächsten Schritt in Richtung einer „sozialistischen“ Landwirtschaft und identifizierte ab 1947/48 die Großbauern (über 50 später über 20 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche) als neue Feinde auf dem Lande.

Sie sollten durch „verstärkten Klassenkampf“ ihren Einfluss in den Dörfern verlieren, ihr Leben sollte ihnen auf jedwede Art und Weise erschwert werden. Ihr Steuersatz lag bald um 30 % über dem der anderen Bauern2). Ferner mussten sie erheblich höhere Erntemengen je Hektar zu niedrigeren Erfassungspreisen abliefern als kleinere Betriebe. So schrumpften bei ihnen die Teile der Produktion, die das Abgabesoll überstiegen und die als „Freie Spitzen“ auf den Bauernmärkten zu höheren Preisen hätten verkauft werden können3).

 

Dass auch die Bauern auf kleineren Höfen mit staatlichen Vorgaben zu kämpfen hatten, macht untenstehender Anbauplan von 1950/51 deutlich.

Anbauplan 1950/51Anbauplan 1950/51

In diesem wurde Willi Feuerstack (6,5 ha) auferlegt, auf wie vielen Ackerflächen er welche Ackerfrüchte auszusäen hatte.

 

Alle Kraft für die Frühjahrsbestellung - Original im Staatsarchiv Leipzig, Reg. ma400327

Die Bevölkerung auf den Dörfern witterte eine „zweite Bodenreform“, aber die SED trat den Gerüchten offiziell stets energisch entgegen4).

 

Der „forcierte Klassenkampf“ auf dem Dorf war zu dieser Zeit ökonomisch völlig unsinnig. Die Kampagne behinderte die erfolgreich wirtschaftenden Bauern und bevorzugte vor allem die unerfahrenen Neubauern, die mit unzureichender Technik auf kleinen Flächen nur geringe Ernten erzielten.

 

Bis 1952 gaben etwa 5.000 Großbauern ihren Betrieb auf und flüchteten überwiegend in den Westen5). Da in der gleichen Zeit auch 67.000 Neubauern ihre Höfe verließen, lagen in der gesamten DDR etwa 7 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche (235.000 ha) brach oder wurden extensiv bewirtschaftet6). Diese „devastierten“ Flächen, wie man die verlassenen unbewirtschafteten Äcker und Wiesen nannte, konnten fast nie erneut an Neubauern vergeben werden.

 

Trotzdem erreichte in der DDR bei Getreide der Ernterohertrag mit 20,7 dz/ha bereits wieder den entsprechenden Vorkriegswert7).

 


Quellen und Literatur

1) Schöne, Jens: Die Kollektivierung der DDR-Landwirtschaft in: Beleites,Michael, Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringsdorf, Robert Grünbaum (Hrsg.): Klassenkampf gegen die Bauern. Die Zwangskollektivierung der ostdeutschen Landwirtschaft und ihre Folgen bis heute, Berlin, 2010, S. 19 f

2) ebd., S. 70

3) Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen (Hrsg.): DDR Handbuch, 2 Bände, Bd. 1 A-L, 3. überarbeitete Aufl., Köln, 1985, S. 16

4) Schöne, Jens: Die Kollektivierung der DDR-Landwirtschaft in: Beleites,Michael, Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringsdorf, Robert Grünbaum (Hrsg.): Klassenkampf gegen die Bauern. Die Zwangskollektivierung der ostdeutschen Landwirtschaft und ihre Folgen bis heute, Berlin, 2010, S. 20

5) Schöne, Jens: Frühling auf dem Lande?, Die Kollektivierung der DDR-Landwirtschaft, 3. durchgesehen Aufl., Berlin, 2010, S. 71

6) ebd., S. 63

7) Staatliche Zentralverwaltung für Statistik (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik 1956, 62 Jahrgang, Berlin, 1957, S. 384 f