Heiligblutkapelle
Alter und Werdegang
Im Gegensatz zur Dorfkirche ist die Entstehungszeit der Heilligblutkapelle bekannt.
Sie muss zwischen 1289 und 1292 errichtet worden sein.
Nach Jacobs wurde zum Jahresende 1292 erstmals eine neugebaute Kirche erwähnt, 1293 und 1294 Kapelle genannt, die der wundertätigen Hostie geweiht war1). 1289 erschien noch ein auf die Dorfkirche St. Jakobus ausgestellter Ablassbrief, aber schon 1292 erhielt die neuerbaute Kapelle eine Hofstelle als Ausstattung2).
Einige Jahre später, 1298, schenkten die Gebrüder von Hasserode dem neugegründeten Kloster den Grund und Boden, auf dem die Kapelle erbaut worden war3).
Für den Bau einer Kapelle und für eine gesicherte finanzielle Ausstattung des Heiligtums in Wasserleben setzte sich eine Süster Olegart ein; immerhin erbettelte sie soviel Geld, dass schließlich die Heiligblutkapelle gebaut werden konnte4). Noch mehr Erfolg hatte sie hinsichtlich der Ausstattung des Klosters und der Kapelle mit Ablassgnaden durch Päpste, Erzbischöfe und Bischöfe: für je 23 Kirchenbußen erhielt man zwölf Jahre und 3288 Tage Ablass, wenn man den Bau der Kapelle unterstützte oder das Kloster zum „Heiligen Blut“ mit Grundbesitz ausstattete5).
Ablässe waren auch mit der Umrundung des Hofes der Kapelle zu erlangen, 100 Tage Fegefeuer und zwei Karenen, also zwei Kirchenbußen von vierzigtägigem strengen Fasten6), konnten so vermieden werden.
Standort
Über den Standort der Kapelle gibt es leider keine klaren Aussagen, er soll sich nahe am Amtshof und des dabei liegenden kleinen Klosters befunden haben, denn Zimmerleute, die auf dem Amtshof arbeiteten, konnten von dort eine Lichterscheinung über der Kapelle beobachten. Gleiches widerfuhr den Bauern, die sich auf dem Dingplatz in unmittelbarer Nachbarschaft der Kapelle aufhielten. Und schließlich war von der Ilse aus zu sehen, wie die Kapelle vermeintlich ganz im Feuer stand7). Heise vermutet allerdings, dass es sich bei dem Gewässer um der Ölbach gehandelt haben müsse8).
Heute können weder der Amtshof noch der Dingplatz lokalisiert werden. Obige Angaben helfen also nicht weiter.
Meist wird der Standort der Heiligblutkapelle an der Straße Auf der Kapelle vermutet (Abb. oben links und Mitte). Doch da sich die Kapelle in unmittelbarer Nähe der Kirche befunden haben soll9), ist dieser Standort fraglich.
Vielleicht ist folgende Überlegung nicht ganz abwegig: Grund und Boden des Klosters und der damals schon eingestürzten Kapelle waren ab 1650 endgültig gräfliches Eigentum. Gegen Ende des 18. Jh. wird ein Kuhhirtenhaus (Nr. 180, heute Kleine Dorfstraße 8) erwähnt, das als Gemeindehaus vermutlich auf öffentlichem bzw. gräflichem Grund stand. Gut möglich, dass die Gemeinde irgendwann die Erlaubnis erhielt, auf dem Grundstück der ehemaligen Kapelle ihr Kuhhirtenhaus zu errichten (Abb. oben rechts).
Verfall
Noch im 16. Jahrhundert wurden zu Fronleichnam Wallfahrten zur Heiligblutkapelle abgehalten10). Doch da war ihr unrühmliche Ende wohl bereits vorgezeichnet.
Obwohl die damalige Domina des Klosters, Elisabeth Grell, vom Grafen schon mehrmals aufgefordert worden war, die Kapelle abzureißen, führte sie die Anordnung nicht durch. Und so kam was kommen musste: die Kapelle stürzte zusammen und begrub unter den Trümmern eine Familie11), die entweder nahe an der Kapelle12), oder in ihr gelebt hatte13). Schwerverletzt überlebte nur die Ehefrau. Deren Bruder richtete zwischen 1618 und 1624 einen Bittbrief um Unterstützung an den Grafen, daher muss das Ereignis in diesen Jahren stattgefunden haben14).
Erinnerung
H.-G. Krasberg 2026
Quellen und Literatur
1) Jacobs, Eduard: Urkundenbuch der Deutschordens-Commende Langeln und der Klöster Himmelpforten
und Waterler in der Grafschaft Wernigerode, Halle/Saale, 1882, S. 232ff
2) Jacobs, Eduard: Die Heiligeblutkapelle zu Waterler, in: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde, 43. Jahrgang, 1910, S. 190
3) Jacobs, Eduard: Urkundenbuch der Deutschordens-Commende Langeln und der Klöster Himmelpforten
und Waterler in der Grafschaft Wernigerode, Halle/Saale, 1882, S. 237f
4) Jacobs, Eduard: Die Heiligeblutkapelle zu Waterler, in: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde, 43. Jahrgang, 1910, S. 189
5) ebd., S. 190
6) Deutsches Rechtswörterbuch, Online-Version, Hrsg. Heidelberger Akademie der Wissenschaften, https://drw.hadw-bw.de/ueber.htm, Stichwort Karene, Zugriff am 16.03.2026
7) Jacobs, Eduard: Die Heiligeblutkapelle zu Waterler, in: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde, 43. Jahrgang, 1910, S. 193f
8) Heise, Wilhelm: Chronik des Dorfes Wasserleben, handschriftlich, unveröffentlicht, 4 Bde., Wasserleben, 1964, Bd. 1, S. 112, Anm. 1
9) ebd., S. 116
10) Jacobs, Eduard: Urkundenbuch der Deutschordens-Commende Langeln und der Klöster Himmelpforten und Waterler in der Grafschaft Wernigerode, Halle/Saale, 1882 - S. 511
11) Jacobs, Eduard: Die Heiligeblutkapelle zu Waterler, in: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde, 43. Jahrgang, 1910, S. 196
12) Jacobs, Eduard: Zu den kirchlichen Altertümern der Grafschaft Wernigerode, in: Zeitschrift des Harz-
Vereins für Geschichte und Alterthumskunde, 15. Jahrgang, 1882, S. 209f
13) Jacobs, Eduard: Die Heiligeblutkapelle zu Waterler, in: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde, 43. Jahrgang, 1910, S. 196
14) ebd, S. 196ff














