Pastoren
Informationen über die Lebensdaten der Pastoren in Wasserleben und ihr Wirken liegen erst für die Zeit nach der Reformation vor, zu den katholischen Pastoren, die zuvor im Dorf amtierten, finden sich keine Nachrichten1).
Allerdings ist die älteste nachreformatorische Quelle auch nur indirekt überliefert, Magister Christian Ackermann bezeugte eine Liste, die „...an der Wand, hart der Canzel, an etlichen Jahren angemahlt gewesen, und namentlich befunden, folgende Priester in Wasserleer, ehe der Kalk als gemählich von a[nn]o [16]77, [16]78 verfallen…“ „Wie auch Herr Magister Marcus Buchholz selbst A[nn]o 1628 solche in das Ackerbuch verzeichnet.“.2)
Heise hat in seiner Chronik des Dorfes Wasserleben die Geschichte der Kirchen und der Kirchendiener umfassen dargestellt und liefert so die Grundlage nachfolgender Zusammenfassung.
Pastoren der Reformationszeit
| Probst Wichmann Reckweg (Reckwig) | ||
*~ 1500 + nach 1583 |
Pastor in Wasserleben ~ 1530-1557 | Er amtierte ursprünglich als katholischer Probst des Klosters Waterler, wurde aber anlässlich einer Kirchenvisitation 1557 vom evangelischen Superintendenten Georg Ämilius (Ömler) als Amtsbruder bezeichnet; und 1583 hießt es, er, Reckweg, habe mehr als 50 Jahre „regiert“. |
Hennig Ditmar, ein ehemaliger Benediktinermönch | ||
|
Pastor in Wasserleben 1557-1560 | Von ihm und seinem Nachfolger ist kaum etwas bekannt. Bruder Hennig wird als untüchtig beschrieben, aber ab 1560 stand er immerhin dem Kloster Ilsenburg als Abt vor. |
| N. Bartling, Molitor (Müller) |
| |
|
Pastor in Wasserleben 1560 | N. Bartling mit dem Zunahmen Molitor soll nach seiner Berufung, doch noch vor Amtsantritt, in Wernigerode gestorben sein. |
| Probst Hermann Karrhoff | ||
|
Pastor in Wasserleben 1560-1571 | Wie Wichmann Reckeweg war auch er Probst des Klosters Waterler und gleichzeitig evangelischer Ortsgeistlicher. |
| Johann Hasenbaß (Hasenbeis) | ||
+31.03.1587 in Wasserleben |
Pastor in Wasserleben 1579-1587 | Als erster evangelischer Geistlicher wurde er in der Klosterkirche in Wasserleben beerdigt3). |
Pastoren in der Zeit der Gegenreformation bis zum 18. Jahrhundert
Zu Beginn dieser Zeit war die evangelische Kirchengemeinde häufig in ihrer Existenz bedroht und musste sich gegen manche Übergriffigkeit des rekatholisierten Klosters wehren.
Im späten 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts versuchte sie, das ihr vermeintlich zustehende Recht, ihren Geistlichen selbst zu wählen, zu wahren bzw. wiederzuerlangen.
Wegen dieses Rechts der freien Wahl des Geistlichen hatten ja schon die Einwohner von Husler 1227 einen Prozess geführt, wobei unklar ist, inwieweit die Huslersche Filialkirche Waterler in diesen Prozess eingebunden war. Und ebenso unklar ist, wieso nach der Gründung des Klosters dieses mit dem Wahlrecht des Ortsgeistlichen ausgestattet worden war.
Aufgrund eines zum Ende des Bauernkrieges abgeschlossenen Vertrages mit dem Kloster vom 12.09.1525 konnten die Grafen von Stolberg-Wernigerode dann u.a. bei der Priesterwahl ihre Position stärken. Und als sie nach Ende des Dreißigjährigen Krieges begannen, ihre Macht in der Grafschaft zu festigten, erhoben sie zunehmend Anspruch darauf, alle Geistlichen in ihrem Territorium frei zu bestimmen. Dieser Entwicklung hatten die Kirchengemeinden nichts entgegenzusetzen und konnten so ihr angestammtes Recht nicht mehr durchsetzen.
| Matthias Hildebert (Hilbrecht) | ||
danach Pastor in der |
Pastor in Wasserleben 1587-1593 Wernigeröder Neustadt | Bei der Einsetzung Matthias Hildeberts bestand das Grafenhaus auf diesem Wahlrecht und konnte sich aufgrund des Vertrages mit dem Kloster vom 12.09.1525 auch gegen dieses durchsetzen, obwohl letzteres weiterhin die Versorgung des Pastors sicherstellen musste. Die Kirchenväter ihrerseits erneuerten die Bereitschaft der Kirchengemeinde, dem Ortsgeistlichen eine Wohnung zu stellen und ihm seinen Acker teilweise umzupflügen. So hoffen sie vermutlich, ihren Anspruch auf das Wahlrecht ihres Pastors aufrecht erhalten zu können. |
| Balthasar Voigt (Voidius) | ||
*~ 1558 +23.04.1638 in Wernigerode
|
Pastor in Wasserleben 1593-1611 nach Drübeck | Ein hochgeachteter Mann, der mit aller Strenge gegenreformatorische Bestrebungen im Dorf und vor allem im Kloster bekämpfte. Da er auch rigoros gegen lasche Einstellungen in der evangelischen Gemeinde vorging, machte er sich bei allen zunehmend unbeliebt. Schon 1598 wurde ihm die Predigt von der Kanzel verboten, die vertretungsweise der Pastor von Langeln Johann Growe übernahm. Des ungeachtet, hat er während seiner Dienstzeit wichtige Entwicklungen beeinflusst: - auf seiner Initiative hin wurde ein neuer Kirchhof angelegt und 1598 geweiht, als die zahlreichen Opfer der Pest auf dem alten keinen Platz mehr fanden; - mit der Mehrzahl der Mitglieder der evangelischen Gemeinde setzte er auf dem neuen Kirchhof den Bau der Friedhofskirche St. Maria Elisabeth durch, die in der Zeit von 1599-1609 errichtet wurde und damit die erste rein evangelische Kirche in der Grafschaft war; - dank seiner peniblen Aufzeichnungen konnten erstmalig die Pfarreinkünfte genau beziffert werden. |
| Martin Schmiedichen | ||
+11.11.1625 in Drübeck
|
Pastor in Wasserleben 1611-1625 | Er tauschte seine Pfarrstelle mit der von Balthasar Voigt, sicherlich vor dem Hintergrund anhaltender Unstimmigkeiten zwischen Voigt und dem Kloster sowie Teilen der evangelischen Gemeinde. Während sich in seiner Amtszeit das Verhältnis zur Gemeinde deutlich verbesserte, entwickelte sich das zum Kloster negativ. In der Domina Elisabeth Grell hatte er eine starke Gegenspielerin, die die Gegenreformation im Kloster konsequent vorantrieb. Schmiedichen hatte noch kurz vor seinem Tode eindringlich gemahnt, schnellstmöglich einen Nachfolger zu bestellen, um den Bestrebungen der Rekatholisierung des Klosters entschieden entgegentreten zu können. |
| Vakanz, verwaltet von Magister Wilhelm Posewitz, Pastor in Langeln | ||
|
Pastor für Wasserleben 1626-1628 | In Wernigerode befürchtete man, dass bei einer Neubesetzung des Pfarramts die Domina des Klosters erst recht auf ihr Wahlrecht beharren würde und ließ alles in der Schwebe. |
| Magister Marcus Buchholz | ||
+01.10.1635 in Wasserleben
|
Pastor in Wasserleben 03.1628-01.10.1635 | Es war dann die Domina Elisabeth Grell, die, nun wieder katholisch, den nächsten Zug machte. In Ausübung ihres Wahlrechts, präsentierte sie den evangelischen Rektor Magister Marcus Buchholz aus Helmstedt als Kandidaten für das Pfarramt. Der Graf verzichtete auf eine Konfrontation und im März 1628 trat Marcus Buchholz sein Amt an. Er hatte erst einmal mit einem herben Rückschlag zu leben, denn am 24.06.1629 wurde die Dorfkirche St. Jakobus für die evangelische Gemeinde gesperrt. Ihre Gottesdienste mussten in der Folge in der Friedhofskirche abgehalten werden. Doch nach der von den Schweden gewonnenen Schlacht von Breitenfels, drehte sich das Blatt wieder. Am Weihnachtstage 1631 erhielt die Kirchengemeinde ihre Kirche zurück. Es ist heute nicht mehr nachzuvollziehen, welche Rolle Buchholz bei diesen Wechselfällen spielte. |
| Johannes Bohne (Bona) | ||
+02.03.1656 in Wasserleben
|
Pastor in Wasserleben 1635-02.03.1656 | Bei seiner Ernennung hatte sich die gräfliche Regierung beeilt und konnte somit ihren Kandidaten der Domina des Klosters frühzeitig vorstellen. Er hatte immer wieder Probleme seine Gebühren bei den Bauern einzutreiben, wurde dann aber dafür mit einem Ackerstück entschädigt. Gegen Ende seiner Amtszeit konnte er noch erleben, wie 1650 das Kloster geschlossen wurde. |
| Magister Christianus Ackermann | ||
+01.02.1692
|
Pastor in Wasserleben 1656-01.02.1692 | Auch während seiner Amtszeit gab es wegen der Höhe der Gebühren, die Ackermann für seine Amtshandlungen forderte, Streit mit der Gemeinde.1690 konnte dieser mit einem Vergleich beigelegt werden. Trotzdem unterstellte man Ackermann weiterhin Eigennutz. Erstmalig wurde die Gemeinde aufgefordert ein Predigerwitwenhaus zur Verfügung zu stellen, in dem die Witwen der Pastoren untergebracht werden sollten. |
| Magister Jacob Schmid | ||
*18.09.1656 in Wernigerode +15.12.1730 in Wasserleben
|
Pastor in Wasserleben 25.09.1693-19.09.1728 | Er war der erste Geistliche in der Grafschaft, der dem Pietismus nahestand, einer evangelischen Frömmigkeitsbewegung, die größeren Wert auf persönliches Bibelstudium und Gebet als auf den gemeinsamen Gottesdienst der Gemeinde legte; das Priestertum des einzelnen Gläubigen war eines seiner Schlagworte. Als Schmidt aus gesundheitlichen Gründen sein Amt zur Verfügung stellen musste, präsentierte das Konsistorium der Gemeinde drei Kandidaten für das Pfarramt zur Auswahl. |
| Johann Georg Sinn | ||
+ 05.1733 in Wasserleben
|
Pastor in Wasserleben 06.1729-05.1733 | Die Gemeinde einigte sich auf Sinn, der sein Amt aber nur vier Jahre ausüben konnte. |
| Johann Philipp Reccard | ||
|
Pastor in Wasserleben 14.06.1733-1735 | Reccard hatte keinen Mitbewerber, wurde von der Gemeinde aber letztlich akzeptiert. Er blieb nur zwei Jahre als Pastor in Wasserleben und wechselte schon bald als Diakon nach Wernigerode. Beim doppelten Schützenfest 1734 war er der Gegenspieler der Schützen. |
| Friedrich Leopold Harte | ||
*29.11.1704 in Hedersleben +23.06.1764 in Wasserleben
|
Pastor in Wasserleben 18.12.1735-23.06.1764 | Mit einem Bittbrief wandte sich die Gemeinde an das Konsistorium und beklagte, dass innerhalb von fünf Jahren nun schon der dritte Pastor aus dem Amt geschieden war und präsentierte einen Nachfolgekandidaten. Dieser Bittbrief hat sich erhalten und ist insofern interessant, als er sämtliche Unterschriften der damaligen Haushaltsvorstände enthält. Das Konsistorium setzte schließlich seinen eigenen Kandidaten durch, und damit war der letzte Versuch der Gemeinde, bei der Wahl ihres Pastors mitzubestimmen, gescheitert. Ihr stand nun nur noch das Recht zu, den Lebenswandel des Kandidaten zu beurteilen. |
Pastoren des 18. und 19. Jahrhunderts
In dieser Zeit dürfte der Einfluss der Pastoren auf ihre Kirchengemeinden am größten gewesen sein. Gerade auch in weltlichen Fragen gaben sie der gesellschaftlichen Entwicklung entscheidende Impulse. Neue Erkenntnisse über Bodenbearbeitung, alternative Anbaumethoden, exotische Feldfrüchte (Kartoffeln, Tabak, Tomaten) oder auch über Stallfütterung fanden damals über die Pastoren Eingang in die Landwirtschaft.
| Johann Rudolph Reichmann | ||
*07.12.1721 +30.01.1775 in Wasserleben
|
Pastor in Wasserleben 21.10.1764-30.01.1775 |
| Otto Christian von Einem | ||
*05.08.1738 +11.12.1784 in Wasserleben
|
Pastor in Wasserleben 01.10.1775-11.12.1784 | „Hart an der Südseite der Kleinen Kirche“ wurde von Einem beerdigt. In seiner Amtszeit entstand im oberen Stockwerk des Kathecheten- bzw. Mädchenschulhauses eine weitere Predigerwitwenwohnung. |
| Christian August Haun | ||
|
Pastor in Wasserleben 19.06.1785-13.10.1805 | Auch Haun hat seine Pfarreinkünfte aufgelistet. Er wechselte 1805 als Prediger nach Ilsenburg. |
| Carl August Schmid | ||
*01.11.1767 in Wernigerode +15.07.1822 in Wasserleben
|
Pastor in Wasserleben 1805-1822 | Da Schmid wohl bei der Gemeinde verschuldet war, drang diese darauf, seinen Sohn als Nachfolger in das Amt zu berufen. Das Konsistorium hielt diesen allerdings für zu jung. |
| Johann Michael Christian von Hoff | ||
*03.05.1795 in Wasserleben +28.04.1862 in Wernigerode
|
Pastor in Wasserleben 20.04.1823-06.1831 | Bis heute blieb von Hoff der einzige Pastor in Wasserleben, der aus dem Dorf stammte. 1831 wurde er nach Wernigerode in die Neustadt versetzt. |
| Eduard Rathmann | ||
* 1800 in Pachum +30.04.1861 in Wernigerode
|
Pastor in Wasserleben 09.1831-1849 | Wie sein Vorgänger erhielt auch er eine Berufung nach Wernigerode und übernahm dort das Pfarramt der Gemeinde Unserer Lieben Frauen. |
| Johann Heinrich Konrad Jabusch | ||
*25.11.1805 in Erxleben +29.11.1886 in Hasserode
|
Pastor in Wasserleben 23.11.1849-01.07.1881 | ![]() |
Pastoren und Pastorinnen des 20. und 21. Jahrhunderts
In einer immer säkularer werdenden Welt mussten und müssen aufgeführte Pastoren und Pastorinnen gegen den Zeitgeist ankämpfen.
| Otto Eduard Georg Wackernagel | ||
*09.05.1837 in Berlin + 05.1918 in Wernigerode
|
Pastor in Wasserleben 01.07.1882-01.10.1909 | Er beklagt den Zeitgeist „mit Fabrik und Eisenbahn“, trotz Arbeit und Gebet ginge es mit dem kirchlichen Leben bergab. |
| August Gotthilf Zwanzig | ||
*02.07.1867 in Besenstedt +23.07.1942 in Berlin
|
Pastor in Wasserleben 1909-1942 | |
| Johannes Reinhardt | ||
*08.02.1864 in Dahnsdorf
|
Pastor in Wasserleben 1915-1934 | |
| Wilhelm Meyer | ||
*09.04.1889 in Bromberg +18.08.1958 in Wernigerode
|
Pastor in Wasserleben 1934-1943 | |
| Karl Thaldorf | ||
*13.04.1905
|
Pastor in Wasserleben 1944-09.1971 | |
| Monika Beate | ||
|
Pastorin in Wasserleben 12.1973-11.1976 | |
| Karl-Heinz Nickschick | ||
|
Pastor in Wasserleben 01.12.1980-10.1986 | |
| Hartmut Meier | ||
|
Pastor in Wasserleben 09.1989-06.1998 | |
| Sebastian Beutel | ||
|
Pastor in Wasserleben 11.1999-31.12.2019 | |
| Roseli Arendt | ||
|
Pastorin in Wasserleben ab 08.2020 | |
H.-G. Krasberg 2026
Quelle und Literatur
1) wenn nicht anders vermerkt, bezieht sich der Text auf: Heise, Wilhelm: Chronik des Dorfes Wasserleben, handschriftlich, unveröffentlicht, 4 Bde., Wasserleben, 1964, Bd. 1, S. 404-485
2) Kirchenbuch der ev. Kirchengemeinde St. Sylvestri Wasserleben, Band 3: Chronik u. Taufe 1702-1749, Zweitschrift
3) ebd.



















