Friedhofskirche St. Salvator
Die Gottesacker- oder, wie sie heute genannt wird, die Friedhofskirche ist die zweite Kirche in Wasserleben.
Innenraum
Die Sitze und Bänke in der Friedhofskirche St. Salvator sind noch schlichter gehalten, als die Bänke in der Dorfkirche. Langes Verweilen erfordert Geduld und Sitzfleisch.
Da in der ersten Zeit ihres Bestehens in der Friedhofskirche die gesamte Gemeinde Platz finden musste, saß man eng beieinander. Heute lässt sich das Gefühl der Enge noch bei Begräbnisfeiern erahnen, wenn Verwandte, Freunde und Bekannte aus Nah und Fern der oder dem Verstorbenen die letzte Ehre erweisen.
Im Innern der Kirche herrscht barocke Pracht.

Wilhelm Heise hat den Innenraum seinerzeit in gedeckten Farben jedoch dataillgetreu gezeichnet1), was das untenstehende Foto beweist.

Die Decke und die Emporen sind zwar in der Ausfertigung einfach aber farbenfroh und phantasiereich ausgemalt.
Eine Besonderheit stellen die Totenkronen dar. An den Wänden und Emporen auf Konsolen befestigt, erinnern sie an früh verstorbene Kinder oder Jugendliche.
Häufig stifteten Freundinnen und Freunde der oder des Verstorbenen diese kunstvoll ausgeführten Erinnerungsstücke. Sie wurden als Blumengebinde gestaltet und waren mit Schleifen, Perlen und Blattranken verziert.
Auch Eigenhaar fand im Blumengebinde oder bei der Verzierung Verwendung.
Die Hinterbliebenen bewahrten solche Totenkronen auch zu Hause auf (siehe oben Mitte und rechts). An diesen Exemplaren kann aus nächster Nähe die Ausgestaltung bewundert werden.
Eine weitere Besonderheit bildet der Taufstein hinter dem Altar. Da ihn Heise sorgfältig kopiert hat, ist die Inschrift gut lesbar2).
Alter und Werdegang
Die Kirche wurde in Fachwerkbauweise errichtet.
Ein Foto, wohl aus den 1870er Jahren, zeigt sie noch weitgehend von Bäumen unverstellt. Es fällt hier das auf, was man nicht sieht, das Fachwerk!
Wurde es wegretuschiert, damit der Bau repräsentativer wirken sollte, oder waren die Außenwände geweißt?
Gegen einen früheren Anstrich spricht, dass sich heute am Fachwerk keine entsprechenden Spuren entdecken lassen.
Die Entstehung der Friedhofskirche ist gut dokumentiert.
Zwar soll die Dorfkirche ab den 1590er Jahren der evangelischen Gemeinde als Pfarrkirche gedient haben3), doch gab es vor- und nachher wegen deren Nutzung immer wieder Streitigkeiten mit den Nonnen4).
Daher ergriff der Pastor Balthasar Voigt die Initiative und überzeugte seine Gemeinde, auf dem 1598 neu angelegten Friedhof eine eigene Kirche zu bauen.
So entstand zwischen 1599 und 1609 die Gottesackerkirche St. Maria Elisabeth, der erste Neubau einer evangelischen Kirche in der Grafschaft Wernigerode. Seit spätestens Mitte des 18. Jahrhunderts führt sie ihren heutigen Namen St. Salvator
Wer mehr erfahren möchte, der kann hier weiterlesen:
Gottesackerkirche St. Salvator
H.-G. Krasberg 2026
Literatur und Abbildungen
1) Heise, Wilhelm: Chronik des Dorfes Wasserleben, handschriftlich, unveröffentlicht, 4 Bde., Wasserleben, 1964, Bd. 1, S. 390
2) ebd., S. 401
3) v.Gynz-Rekowski, Georg: Nachrichten aus Wasserleben niedergelegt im Turmkopf der Dreifaltigkeits-
Kirche am 20. August 1716, maschinenschriftlich, unveröffentlicht, Wernigerode, 1977, S. 23
4) Heise, Wilhelm: Chronik des Dorfes Wasserleben, handschriftlich, unveröffentlicht, 4 Bde., Wasserleben, 1964, Bd. 2, S. 54 ff






























